Rückseite Numisbrief
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CC 345 2019 Numisbrief Stgl./BU

Numisbrief

Estland · 150. Jahrestag des ersten Liederfestes

Auflage2.500
Ausgabepreis15,00 €
Ausgabedatum29.05.2019
VerpackungNumisbrief
RandschriftEESTI × 2, abwechselnd aufrecht/verkehrt, durch Punkte getrennt

Zum Ausgabeanlass

Die Gedenkmünze würdigt das 150-jährige Bestehen des estnischen Liederfests. Das Motiv zeigt abstrahiert den Festumzug in Trachten gekleideter Teilnehmer, der sich wie eine Meereswelle durch die jubelnde Menge bewegt, und verbindet Musik, Trachten sowie die verschiedenen Veranstaltungsorte. Zu sehen sind außerdem die ersten Noten der estnischen Nationalhymne und die Aufschrift „Laulupidu 150“.

Das Motiv
Münzmotiv ist eine abstrahierte Darstellung des Festumzugs in Trachten gekleideter Teilnehmer, der sich wie eine Meereswelle unter Freudenrufen der stolzen Menge fortbewegt. Das Motiv verbindet Musik, Trachten und die verschiedenen Veranstaltungsorte des großen, bedeutenden Liederfestes des Landes am Meer. Ferner sind die ersten Noten der estnischen Nationalhymne und unten entlang des inneren Münzrands die Aufschrift „Laulupidu 150“ (Liederfest 150) zu sehen. Oben in der Mitte sind das Ausgabejahr „2019“ und unmittelbar darunter der Ausgabestaat „EESTI“ angegeben.
Auf dem äußeren Münzring sind die zwölf Sterne der Europaflagge dargestellt.
Hintergrund zum Thema
Das erste gesamt­estnische Liederfest fand 1869 in Tartu statt. Es entstand nach dem Vorbild der im 19. Jahrhundert verbreiteten Sängerfeste und wurde von Johann Voldemar Jannsen mitorganisiert. Zunächst traten vor allem Männerchöre und Blasorchester auf. Das gemeinsame Singen in estnischer Sprache fiel in die Zeit des nationalen Erwachens, als sich unter der estnischsprachigen Bevölkerung ein stärkeres kulturelles und politisches Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelte. Estland gehörte damals zum Russischen Kaiserreich; Verwaltung und gesellschaftliches Leben waren zugleich lange von der deutschbaltischen Oberschicht geprägt.

Jannsen schrieb auch den Text von „Mu isamaa, mu õnn ja rõõm“ („Mein Vaterland, mein Glück und meine Freude“). Das Lied mit einer Melodie des deutsch-finnischen Komponisten Fredrik Pacius wurde beim ersten Fest aufgeführt und später zur estnischen Nationalhymne. Die Melodie wird auch für die finnische Hymne verwendet, allerdings mit einem anderen Text.

Aus dem Sängerfest entwickelte sich eine regelmäßig veranstaltete Massenveranstaltung, die später um Tanzfeste ergänzt wurde. Seit dem 20. Jahrhundert ist Tallinn der zentrale Austragungsort. Dort entstand eine Freilichtbühne mit einer großen Sängertribüne, auf der sehr umfangreiche Chöre gemeinsam auftreten können. Auch während der sowjetischen Herrschaft wurden die Feste fortgeführt. Das Repertoire und der Ablauf unterlagen staatlichen Vorgaben, zugleich blieben estnische Sprache, Chormusik und gemeinschaftliche Traditionen öffentlich präsent.

An diese Funktion knüpfte die „Singende Revolution“ der späten 1980er Jahre an. Bei Versammlungen und Musikveranstaltungen sangen Zehntausende patriotische Lieder und forderten politische Selbstbestimmung. Diese friedliche Massenbewegung begleitete den Weg zur Wiederherstellung der estnischen Unabhängigkeit 1991.

Die Tradition der baltischen Lieder- und Tanzfeste in Estland, Lettland und Litauen wurde von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Das Jubiläum bot daher Anlass, nicht nur eine Veranstaltungsreihe, sondern auch ihre Verbindung mit Sprache, nationaler Identität und politischer Selbstbehauptung auf einer Umlaufmünze zu thematisieren.

Wissenswertes

Herausgeber: Eesti Post, Tallinn

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