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Vorderseite

Estland · 150. Jahrestag der Gründung der Gesellschaft der Estnischen Literaten
Ausgabedatum09.03.2022
Gesamtauflage1.000.000
EU-Maximum1.000.000
Editionen2
RandschriftEESTI × 2, abwechselnd aufrecht/verkehrt, durch Punkte getrennt
AufschriftEESTI KIRJAMEESTE SELTS / 2022 / KUI ME EI SAA SUUREKS RAHVAARVULT, PEAME SAAMA SUUREKS VAIMULT
DesignerRiho Luuse
PrägestätteSuomen Rahapaja OY, Vantaa, Finnland
Zum Ausgabeanlass
Die Gedenkmünze würdigt den 150. Jahrestag der Gründung der Estnischen Literaturgesellschaft. Das Motiv zeigt ein aufgeschlagenes Buch und die Spitze einer Schreibfeder, umgeben vom Schriftzug „EESTI KIRJAMEESTE SELTS“. Auf der Buchseite steht der Satz „KUI ME EI SAA SUUREKS RAHVAARVULT, PEAME SAAMA SUUREKS VAIMULT“ („Wenn wir zahlenmäßig keine große Nation sein können, dann müssen wir im Geiste groß sein“).
Das Motiv
Das Münzbild zeigt ein aufgeschlagenes Buch und die Spitze einer Schreibfeder. Am oberen Rand des Münzinneren befinden sich halbkreisförmig der Schriftzug „EESTI KIRJAMEESTE SELTS“ und das Ausgabejahr „2022“. Auf der Buchseite zu lesen ist „KUI ME EI SAA SUUREKS RAHVAARVULT, PEAME SAAMA SUUREKS VAIMULT“ („Wenn wir zahlenmäßig keine große Nation sein können, dann müssen wir im Geiste groß sein“). Auf dem äußeren Münzring sind die zwölf Sterne der Europaflagge dargestellt.
Hintergrund zum Thema
Die Eesti Kirjameeste Selts entstand 1872 in Tartu, das damals zum Russischen Kaiserreich gehörte. Ihre Gründung fiel in die Zeit des estnischen nationalen Erwachens. Obwohl Estnisch von der Bevölkerungsmehrheit gesprochen wurde und die Alphabetisierung weit verbreitet war, dominierten in Verwaltung, höherer Bildung und öffentlichem Kulturleben lange Deutsch und Russisch. Estnische Gelehrte, Geistliche, Lehrer und Schriftsteller bemühten sich deshalb, die eigene Sprache als Literatur- und Bildungssprache auszubauen.
Die Gesellschaft förderte estnischsprachige Veröffentlichungen, unterstützte Autoren und beschäftigte sich mit Fragen der Rechtschreibung und des Sprachgebrauchs. Außerdem sammelten ihre Mitglieder Volkslieder, Erzählungen, sprachliche Überlieferungen und anderes volkskundliches Material. Solche Sammlungen sollten mündlich überliefertes Wissen sichern und zugleich eine Grundlage für Literatur, Sprachforschung und Geschichtsbewusstsein schaffen. Versammlungen und Publikationen verbanden die über das Land verstreuten estnischen Intellektuellen miteinander.
Zu den prägenden Persönlichkeiten gehörte der Theologe, Sprachforscher und Volkskundler Jakob Hurt, der erste Präsident der Gesellschaft. Ihm wird der auf der Münze wiedergegebene Leitsatz zugeschrieben. Hurt vertrat die Auffassung, dass ein zahlenmäßig kleines Volk durch Bildung, kulturelle Arbeit und geistige Eigenständigkeit bestehen könne. Später führten unterschiedliche politische und kulturelle Vorstellungen, unter anderem zwischen Hurt und dem Publizisten Carl Robert Jakobson, zu inneren Konflikten. Die Tätigkeit der Gesellschaft endete 1893 unter den Bedingungen einer zunehmend restriktiven imperialen Politik.
Auf der Münze ist keine historische Person porträtiert. Buch und Feder verweisen vielmehr allgemein auf Schreiben, Publizieren und Sprachpflege. Der Jahrestag bot Anlass, an eine frühe Institution der organisierten estnischen Kulturarbeit zu erinnern. Ihre Tätigkeit steht zugleich für den engen Zusammenhang zwischen Sprache, Literatur und der Herausbildung eines estnischen Nationalbewusstseins im 19. Jahrhundert.
Die Gesellschaft förderte estnischsprachige Veröffentlichungen, unterstützte Autoren und beschäftigte sich mit Fragen der Rechtschreibung und des Sprachgebrauchs. Außerdem sammelten ihre Mitglieder Volkslieder, Erzählungen, sprachliche Überlieferungen und anderes volkskundliches Material. Solche Sammlungen sollten mündlich überliefertes Wissen sichern und zugleich eine Grundlage für Literatur, Sprachforschung und Geschichtsbewusstsein schaffen. Versammlungen und Publikationen verbanden die über das Land verstreuten estnischen Intellektuellen miteinander.
Zu den prägenden Persönlichkeiten gehörte der Theologe, Sprachforscher und Volkskundler Jakob Hurt, der erste Präsident der Gesellschaft. Ihm wird der auf der Münze wiedergegebene Leitsatz zugeschrieben. Hurt vertrat die Auffassung, dass ein zahlenmäßig kleines Volk durch Bildung, kulturelle Arbeit und geistige Eigenständigkeit bestehen könne. Später führten unterschiedliche politische und kulturelle Vorstellungen, unter anderem zwischen Hurt und dem Publizisten Carl Robert Jakobson, zu inneren Konflikten. Die Tätigkeit der Gesellschaft endete 1893 unter den Bedingungen einer zunehmend restriktiven imperialen Politik.
Auf der Münze ist keine historische Person porträtiert. Buch und Feder verweisen vielmehr allgemein auf Schreiben, Publizieren und Sprachpflege. Der Jahrestag bot Anlass, an eine frühe Institution der organisierten estnischen Kulturarbeit zu erinnern. Ihre Tätigkeit steht zugleich für den engen Zusammenhang zwischen Sprache, Literatur und der Herausbildung eines estnischen Nationalbewusstseins im 19. Jahrhundert.
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