Rückseite Estland 2021 Finno-ugrische Völker – Rückseite
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CC 411 2021 2-Euro-Münze Stgl./BU Hauptmünze Bankausgabe

2 Euro Stgl./BU

Estland · Finno-ugrische Völker

Auflage988.000
Ausgabedatum16.06.2021
RandschriftEESTI × 2, abwechselnd aufrecht/verkehrt, durch Punkte getrennt
Marktpreis4,90 €

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Die Gedenkmünze ist den finno-ugrischen Völkern gewidmet. Das auf Höhlenmalereien am Onegasee basierende Motiv zeigt einen Jäger, einen Elch, einen Wasservogel und die Sonne als Symbole ihres Lebenskreislaufs. Im Zentrum steht der Wasservogel, der in der Kunst und Folklore aller finno-ugrischen Völker vertreten ist; außerdem sind die Aufschriften „EESTI“, „2021“ und „FENNO-UGRIA“ zu sehen.

Das Motiv
Die Gestaltung der nationalen Seite der Münze basiert auf Höhlenmalereien am Onegasee. Die Symbole für Jäger, Elch, Wasservogel und Sonne stellen den symbolischen Lebenskreislauf der finno-ugrischen Völker dar. Die zentrale Figur ist der Wasservogel, da er in der Kunst und Folklore aller finno-ugrischen Völker vertreten ist. Oben rechts ist halbkreisförmig der Name des Landes „EESTI“ gefolgt von dem Jahr „2021“ abgebildet. Unten links ist die Aufschrift „FENNO-UGRIA“ zu sehen.

Auf dem äußeren Münzring sind die zwölf Sterne der Europaflagge dargestellt.
Hintergrund zum Thema
Finno-ugrisch“ bezeichnet in erster Linie eine sprachliche Verwandtschaft, keine einheitliche ethnische oder politische Gemeinschaft. Die entsprechenden Sprachen gehören zur uralischen Sprachfamilie. Zu ihnen zählen Estnisch, Finnisch und Ungarisch sowie zahlreiche Minderheitensprachen Nordosteuropas und Westsibiriens, darunter Karelisch, Komi, Mari, Udmurtisch, mehrere samische Sprachen sowie die Sprachen der Chanten und Mansen. Die betreffenden Gemeinschaften unterscheiden sich erheblich in Religion, Geschichte und Lebensweise.

Für Estland besitzt diese Sprachverwandtschaft einen besonderen identitätspolitischen Stellenwert. Estnisch gehört zum ostseefinnischen Zweig und ist eng mit dem Finnischen verwandt. Der Kontakt zu anderen uralischsprachigen Gemeinschaften wurde seit dem 19. Jahrhundert durch Sprachwissenschaftler, Volkskundler und Kulturvereine gepflegt. Während der sowjetischen Herrschaft bot die finno-ugrische Zugehörigkeit zugleich einen kulturellen Bezugsrahmen, der über die Grenzen der Sowjetunion hinausreichte.

Nach deren Zerfall entstanden neue Formen der Zusammenarbeit. Seit den 1990er-Jahren treffen sich Vertreter finno-ugrischer und anderer uralischer Völker auf Weltkongressen. Dabei geht es unter anderem um Sprachunterricht, Medien, kulturelle Selbstorganisation und die Lage kleinerer Bevölkerungsgruppen. Viele ihrer Sprachen stehen unter starkem Assimilationsdruck und werden nur noch von einer abnehmenden Zahl von Menschen gesprochen. Im Jahr 2021 war Tartu Gastgeber des achten Weltkongresses der finno-ugrischen Völker. Die Münzausgabe stand damit in einem aktuellen estnischen Kontext internationaler finno-ugrischer Zusammenarbeit.

Bei den als „Höhlenmalereien“ bezeichneten Vorlagen handelt es sich genauer um prähistorische Felsritzungen, sogenannte Petroglyphen. Sie befinden sich am Ostufer des Onegasees in der heutigen russischen Republik Karelien. Die Darstellungen geben Einblick in Vorstellungswelten steinzeitlicher Gemeinschaften, ohne dass diese unmittelbar mit heutigen Völkern gleichgesetzt werden können. Wasservögel erscheinen zudem in verschiedenen uralischen Schöpfungserzählungen: Häufig taucht ein Vogel in ein Urmeer hinab und holt Erde herauf, aus der das Land entsteht. Solche überlieferten Motive ermöglichen einen kulturgeschichtlichen Bezug zwischen archäologischen Bildern und späterer Folklore.

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