CC 209 2015
2-Euro-Münze
Stgl./BU Hauptmünze Bankausgabe
2 Euro Stgl./BU
Litauen · Die litauische Sprache
Auflage990.000
Ausgabedatum14.12.2015
RandschriftLAISVĖ ★ VIENYBĖ ★ GEROVĖ ★
Marktpreis6,56 €
Zum Ausgabeanlass
Die Gedenkmünze ist der litauischen Sprache gewidmet und erinnert an den 100. Jahrestag der Aufhebung des Druckverbots für litauischsprachige Bücher in lateinischer Schrift. Das Motiv zeigt das Wort „AČIŪ“ („DANKE“) in einer eigens geschaffenen litauischen Schriftart; im Hintergrund sind sämtliche Buchstaben der litauischen Sprache als Schlagwortwolke dargestellt. Unten stehen „LIETUVA“ und die Jahreszahl „2015“.
Das Motiv
Das Münzmotiv zeigt das Wort „AČIŪ“ (DANKE), eines der schönsten Wörter der litauischen Sprache. Für dieses Projekt wurde anlässlich des hundertsten Jahrestags der Aufhebung des Druckverbots von litauischsprachigen Büchern in lateinischer Schrift eine eigene litauische Schriftart geschaffen, die auf dem lateinischen Schrifttyp basiert und den Kombinationen der am häufigsten verwendeten Buchstaben der litauischen Sprache besser Rechnung tragen soll. Hintergrund des Münzmotivs sind sämtliche Buchstaben der litauischen Sprache wie in einer Schlagwortwolke dargestellt. Unten sind der Ausgabestaat „LIETUVA“ und darunter die Jahreszahl „2015“ zu lesen. Unten rechts ist unter dem Wort „AČIŪ“ das Münzzeichen der litauischen Münzprägeanstalt eingraviert. Auf dem äußeren Münzring sind die zwölf Sterne der Europaflagge dargestellt.
Hintergrund zum Thema
Das Verbot geht auf die Politik des Russischen Kaiserreichs zurück, zu dem der größte Teil Litauens im 19. Jahrhundert gehörte. Nach dem Aufstand von 1863 gegen die russische Herrschaft untersagten die Behörden ab 1864 litauische Veröffentlichungen in lateinischer Schrift. Litauische Texte sollten stattdessen mit kyrillischen Buchstaben gedruckt werden. Diese Maßnahme war Teil einer Russifizierungspolitik, die den Einfluss der polnischen Kultur und der katholischen Kirche zurückdrängen und die Bevölkerung enger an das Zarenreich binden sollte.
Das Verbot betraf nicht die litauische Sprache an sich, sondern vor allem ihre schriftliche Verwendung im traditionellen lateinischen Alphabet. Litauische Bücher, Zeitungen, Gebetbücher und Fibeln wurden deshalb außerhalb des Russischen Reiches gedruckt, besonders in Ostpreußen. Von dort brachten sogenannte *knygnešiai*, auf Deutsch meist „Bücherträger“ oder „Bücherschmuggler“, die Druckwerke heimlich über die Grenze. Verteilung und Besitz konnten strafrechtliche Folgen haben. Neben professionellen Schmugglern beteiligten sich Geistliche, Bauern, Lehrer und Angehörige der litauischen Nationalbewegung an diesem Netzwerk.
Der Widerstand gegen das Verbot trug dazu bei, Sprache und lateinische Schrift zu Kennzeichen einer eigenständigen litauischen Identität zu machen. Zugleich entstanden geheime Schulen, in denen Kinder litauisch lesen und schreiben lernten. Die damalige Presse unterstützte die Herausbildung einer modernen Standardsprache und die politische Organisation der Nationalbewegung. Nach dem Ende des Verbots konnte sich das litauische Verlags- und Zeitungswesen wieder öffentlich entwickeln. Der 16. März, der Geburtstag des bekannten Bücherträgers Jurgis Bielinis, wird in Litauen als Tag der Bücherträger begangen.
Die Wahl der Sprache als Münzthema verweist somit nicht nur auf sprachliche Eigenheiten. Sie erinnert an eine Zeit, in der Alphabet, Bildung und Buchverbreitung unmittelbar mit kultureller Selbstbehauptung verbunden waren. Der erwähnte hundertste Jahrestag bezieht sich auf das Jahr 2004; die dafür entwickelte Schriftgestaltung wurde später für die Münze von 2015 aufgegriffen.
Das Verbot betraf nicht die litauische Sprache an sich, sondern vor allem ihre schriftliche Verwendung im traditionellen lateinischen Alphabet. Litauische Bücher, Zeitungen, Gebetbücher und Fibeln wurden deshalb außerhalb des Russischen Reiches gedruckt, besonders in Ostpreußen. Von dort brachten sogenannte *knygnešiai*, auf Deutsch meist „Bücherträger“ oder „Bücherschmuggler“, die Druckwerke heimlich über die Grenze. Verteilung und Besitz konnten strafrechtliche Folgen haben. Neben professionellen Schmugglern beteiligten sich Geistliche, Bauern, Lehrer und Angehörige der litauischen Nationalbewegung an diesem Netzwerk.
Der Widerstand gegen das Verbot trug dazu bei, Sprache und lateinische Schrift zu Kennzeichen einer eigenständigen litauischen Identität zu machen. Zugleich entstanden geheime Schulen, in denen Kinder litauisch lesen und schreiben lernten. Die damalige Presse unterstützte die Herausbildung einer modernen Standardsprache und die politische Organisation der Nationalbewegung. Nach dem Ende des Verbots konnte sich das litauische Verlags- und Zeitungswesen wieder öffentlich entwickeln. Der 16. März, der Geburtstag des bekannten Bücherträgers Jurgis Bielinis, wird in Litauen als Tag der Bücherträger begangen.
Die Wahl der Sprache als Münzthema verweist somit nicht nur auf sprachliche Eigenheiten. Sie erinnert an eine Zeit, in der Alphabet, Bildung und Buchverbreitung unmittelbar mit kultureller Selbstbehauptung verbunden waren. Der erwähnte hundertste Jahrestag bezieht sich auf das Jahr 2004; die dafür entwickelte Schriftgestaltung wurde später für die Münze von 2015 aufgegriffen.
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